Frauke Petry, AFD

» Seit Jahresbeginn reisten laut Bundesinnenministerium 77.148 Migranten nach Deutschland. Das sind in Summe mehr, als an den südeuropäischen Außengrenzen Italiens oder Griechenlands zusammen anlandeten.«

Die Aussage von Frauke Petry, dass „seit Jahres­be­ginn laut Bundes­in­nen­mi­nis­te­rium 77.148 Migran­ten nach Deutsch­land reis­ten“ und, dass diese Summe mehr sei „als an den südeu­ro­päi­schen Außen­gren­zen Itali­ens oder Grie­chen­lands zusam­men anlan­de­ten“ stimmt über­wie­gend, ist aber irre­füh­rend.

Laut einer Statis­tik des BaMF (Bundes­amt für Migra­tion und Flücht­linge) sind  zwischen Januar und Mai 2017 77.148 Asyl­su­chende in Deutsch­land ange­kom­men. Nach Anga­ben der Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tion für Migra­tion (IOM) kamen im glei­chen Zeit­raum 71.029 Geflüch­tete an Euro­pas südli­chen Außen­gren­zen an. Petry spricht jedoch fälsch­li­cher­weise von Migran­ten. Die Zahlen bezie­hen sich auf Asyl­su­chende.

Laut der Statis­tik der IOM, kamen zwischen dem ersten Januar und dem 31. Mai 2017 insge­samt 71.029 Geflüch­tete über den Seeweg nach Europa. Davon lande­ten in Grie­chen­land 7.242 und in Italien 60.228 Geflüch­tete an, das heißt zusam­men: 67.470. Der summa­ri­sche Vergleich, den Petry zieht, stimmt also.

Frauke Petry nutzt aller­dings den Begriff „Migran­ten“. Die Statis­tik des BaMF, auf die sie sich bezieht, spricht von Asyl­su­chen­den. Als Migran­tIn­nen werden alle Menschen bezeich­net, die aus ande­ren Ländern ihren Lebens­mit­tel­punkt nach Deutsch­land verla­gern. Dies kann viele unter­schied­li­che Gründe haben, zum Beispiel rein wirt­schaft­li­che. Asyl­su­chende hinge­gen suchen Schutz vor poli­ti­scher oder persön­li­cher Verfol­gung und warten auf die Entschei­dung des Asyl­an­trags. Dadurch wird die Aussage irre­füh­rend. Die Anzahl der Migran­tIn­nen darf nicht mit der Anzahl der Asyl­su­chen­den gleich­ge­setzt werden. Frauke Petry scha­det mit diesem Fehler ihrem eigent­li­chen Aussa­ge­wunsch, da die Zahl der Migran­tIn­nen natür­lich deut­lich höher liegt, als die der Asyl­su­chen­den.

Fazit: Frauke Petrys Aussage stimmt zwar mit Blick auf die genann­ten Zahlen, ist jedoch inhalt­lich irre­füh­rend.

Mariana Bittermann

Autor: Mariana Bittermann

Studiert Kulturwissenschaften, Spanisch und Politik in Dortmund. Warum bei stimmtdas.org: Engagiere mich, weil es in unserer Demokratie essentiell ist, dass die Medien Aussagen von Politikern unabhängig von der politischen Ausrichtung auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen und davon möchte ich ein Teil sein.

11 Gedanken zu „Seit Jahres­be­ginn reis­ten mehr Migran­ten nach Deutsch­land, als an den Außen­gren­zen Itali­ens oder Grie­chen­lands zusam­men anlan­de­ten“

  1. Es stimmt und ist nicht wirk­lich irre­füh­rend, wenn man zugrunde legt, dass laut Bericht der Verein­ten Natio­nen (UN) ledig­lich 2,65% der 2016 übers Mittel­meer ange­reis­ten und in Europa erfass­ten Migran­ten tatsäch­lich aner­kannte Flücht­linge sind, während es sich bei den rest­li­chen 97,35% um Wirt­schafts­mi­gran­ten handelt. 

    Rech­net man das entspre­chend an, beein­flusst es die Zahlen nur gering­fü­gig und ändert daher nichts an der Rich­tig­keit der Aussage.

      1. Nein, damit bin ich nicht Opfer von Fake­news gewor­den, aber wohl ganz offen­sicht­lich Sie, wenn Sie meinen Correc­tiv als neutrale und objek­tive Quelle nutzen zu können.
        https://www.tichyseinblick.de/gastbeitrag/correctiv-von-eigennutz-und-gemeinnutz/

        Die Migran­ten, die 2016 nach Schlie­ßung der Balkan­route in Italien ange­kom­men sind, werden aller Logik nach zu nahe 100% mit dem Boot von Afrika aus gekom­men sein.
        Was ist das bitte für eine Darstel­lung auf Correc­tiv, dass ja auch Migran­ten über Land (nach Italien, welche Route soll das denn sein?) und gar per Flug­zeug kommen. Den %Anteil möchte ich gerne mal sehen.

        Hilfe vor Ort und Hilfe zur Selbst­hilfe für die Menschen in Afrika, das muss Ziel sein und nicht Verleug­nung der Krise und der Folgen für uns und Europa.

        1. Wer Tichys Einblick als Quelle nennt, dem ist nicht mehr zu helfen. Posten Sie dort mal etwas, was dessen teils absur­den Behaup­tun­gen wieder­legt. Da können Sie auf eine Veröf­fent­li­chung aber lange warten.

          1. Wo meinen Sie denn im Quer­schnitt besse­ren und objek­ti­ve­ren deutsch­spra­chi­gen Jour­na­lis­mus vorzu­fin­den als dort und ggf Achgut?
            Haben Sie eine annä­hernd vergleich­bare Gegen­dar­stel­lung zu dem ausge­spro­chen gut recher­chier­ten Arti­kel über Correc­tiv?

            Können Sie auch nur eine einzige angeb­lich absurde Behaup­tung aus einem belie­bi­gen Tichy Arti­kel vorbrin­gen?
            Dann könnte man immer­hin anhand eines Beispiels argu­men­tie­ren.

  2. Frau Petry geht wohl davon( Zu recht?)aus das der Groß­teil nicht wieder in die Heimat zurück will und/oder aus wirt­schaft­li­chen Grün­den nach Europa kommt. Was ich für durch­aus möglich halte.

    1. Wirt­schaft­li­che Gründe” sind sowas wie Hungers­nöte und einfach kein Essen, Obdach, Medi­zin kaufen können. Das ist lebens­be­droh­lich.

  3. Migra­tion” eignet sich grund­sätz­lich als Ober­be­griff für alle Arten von Wande­rungs­be­we­gun­gen, schon weil der Begriff eben genau das bedeu­tet.

  4. Ob etwas irre­füh­rend ist oder nicht, ist eine reine Wertungs­sa­che.

    So finde ich es beispiels­weise äußerst irre­füh­rend, eine während eines Fakten­checks als “rich­tig” iden­ti­fi­zierte Aussage als “irre­füh­rend” zu beti­teln.

    Hier sollte es nur darum gehen, ob es rich­tig ist oder nicht.
    Wo bleibt sonst die Objek­ti­vi­tät, wenn Ihr Euren gefühls­mä­ßi­gen Senf dazu gebt, wie jeder durch­schnitt­li­che Kommen­tar es eben tut? 

    Neutra­ler, sach­li­cher und objek­ti­ver Fakten­check braucht solche werten­den Meinun­gen jeden­falls nicht.

    Stellt den Kontext realis­tisch dar, am besten mit Link zum Video, und über­lasst es dem Leser, diesen Kontext zu inter­pre­tie­ren.

    1. Hallo Thomas, Danke für die Kritik.
      Was mir nicht klar ist, welcher Link zu welchem Video? Der Face­book Post ist oben verlinkt. Ein Video gab es nicht.

      1. Mein Kommen­tar gilt für alle Eurer Beiträge, in denen Ihr — bereits bevor der Leser die Argu­mente gele­sen hat — eine eigene Wertung beisteu­ert.

        Neutral ist das nicht, eher steu­ernd in Rich­tung Eurer poli­ti­schen Einstel­lung.

        Was ich mit dem Link meinte: Wenn es beispiels­weise ein Video einer Talk­runde gibt, in der eine Aussage gefal­len war, dann reicht der Link völlig aus. Ob die jewei­lige Aussage irre­füh­rend war, oder eher dem Kontext ange­mes­sen, das kann der Leser dann selber nach­voll­zie­hen.

        Der Kontext ist ja gerade das, was den Ausschlag gibt, ob jemand lügt und mani­pu­liert, oder eben nicht.

        Durch geziel­tes Framing, im Hinblick auf das gewünschte Ergeb­nis (“Herr XY ist unglaub­wür­dig”), kann man viele Aussa­gen entstel­len und Menschen diskre­di­tie­ren.

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