Frauke Petry, AFD

» Schluss mit der Gängelei, Elektroautos sind nicht umweltfreundlich. «

Frauke Petry behaup­tet: Schluss mit der Gänge­lei, Elek­tro­au­tos sind nicht umwelt­freund­lich. Diese Schluss­fol­ge­rung stimmt eher nicht und ist verein­fa­chend.

++ Inter­na­tio­nale Medien: E-Autos sind nicht umwelt­freund­lich! ++Unter der Über­schrift: „So schmut­zig ist der «grüne»…

Posted by Dr. Frauke Petry on Sams­tag, 1. Juli 2017

Am 2. Juli 2017 stellte AFD-Bundes­vor­sit­zende Frauke Petry in einem Face­book-Post infrage, dass Elek­tro­au­tos umwelt­freund­lich sind. Die Umwelt­bi­lanz von Elek­tro­au­tos ist umstrit­ten, da diese im Ergeb­nis von zahl­rei­chen Fakto­ren abhängt. Zum einen muss der CO₂-Ausstoß bei der Herstel­lung von Batte­rien berück­sich­tigt werden, zum ande­ren die Strom­quelle, mit der E-Autos in Gebrauch betrie­ben werden. In ihrem Face­book-Post bezieht sich Petry auf einen Arti­kel im schwei­ze­ri­schen Boule­vard­blatt Blick über eine Studie des schwe­di­schen Umwelt­mi­nis­te­ri­ums.

Die Studie konzen­triert sich in der Auswer­tung jedoch ledig­lich auf den CO₂-Ausstoß bei der Herstel­lung von Batte­rien und dessen Wirkung auf den Klima­wan­del. Das Ergeb­nis: E-Autos seien mit einer zusätz­li­chen CO₂-Hypo­thek bei der Ferti­gung belas­tet. So entstün­den bei der Herstel­lung pro Kilo­watt­stunde Spei­cher­ka­pa­zi­tät einer Batte­rie rund 150 bis 200 Kilo CO₂-Äqui­va­lente. Umge­rech­net auf die Batte­rien eines Tesla Model S, das Premium-Flagg­schiff des US-Herstel­lers, wären das etwa 17,5 Tonnen CO₂. Die Herstel­lung der Akkus für klei­nere E-Autos, wie dem Nissan Leaf, liegen etwa bei 4,5 Tonnen CO₂. Im Vergleich zu herkömm­li­chen Verbren­nungs­mo­to­ren weisen sie eine höhere Umwelt­be­las­tung bei der Herstel­lung auf.

Konkret heißt das: Ein Fahr­zeug mit einem herkömm­li­chen Verbren­nungs­mo­tor könne acht Jahre gefah­ren werden, bevor es die Umwelt so stark belas­tet habe wie die Akku-Produk­tion für ein Tesla Model S. Der Strom­ver­brauch beim Fahren ist dabei noch gar nicht berück­sich­tigt. Bei einem klei­ne­ren E-Fahr­zeug wie dem Nissan Leaf wären es noch etwa drei Jahre.


Regel­mä­ßige Infos von stimmtdas.org gewünscht?

Inso­fern enthält die Aussage von Frauke Petry wahre Elemente: Die Herstel­lung und der Betrieb von E-Autos ziehen Folgen nach sich, die mitun­ter weni­ger umwelt­freund­lich sind als es bei herkömm­li­chen Fahr­zeu­gen der Fall ist. Der Herstel­ler Tesla etwa hat jedoch bereits ange­kün­digt, seine Akkus künf­tig in soge­nann­ten „Giga­fac­to­rys“ selbst herzu­stel­len. Diese werden zu 100 Prozent mit erneu­er­ba­ren Ener­gien betrie­ben. Die Studie bemerkt zu diesem Thema: „It may also be ques­tio­ned if green­house gas emis­si­ons from current battery manu­fac­tu­ring are rele­vant when the majo­rity of the produc­tion will occur in the future when the energy system is more rene­wa­ble“. Erste Voraus­set­zung für die Umwelt­freund­lich­keit eines E-Autos ist also der Ener­gie-Mix, aus dem der Strom stammt, der zur Herstel­lung eines E-Autos notwen­dig ist.

Ein weite­rer entschei­den­der Faktor, welchen Petry außen vor lässt, ist die CO₂-Emis­sion beim Betrieb des Autos. Ein Verbren­nungs­mo­tor gene­riert CO₂ durch den Ausstoß von Abga­sen, was bei E-Autos wegfällt. Aller­dings ist beim Elek­tro­auto entschei­dend, was für eine Art von Strom es tankt. Nur wenn dieser aus rege­ne­ra­ti­ven Ener­gien herge­stellt wird, so eine Studie des Umwelt­bun­des­am­tes, sei ein E-Auto umweltfreundlich. 

Genau das ist der Knack­punkt: Zwar plant die Bundes­re­gie­rung, dass deut­scher Strom künf­tig zu 100 Prozent aus erneu­er­ba­ren Ener­gien stam­men soll, aller­dings erst bis zum Jahr 2050. Ob dieses Ziel auch erreicht wird, ist jetzt noch nicht abseh­bar. In ande­ren Staa­ten, in denen E-Autos produ­ziert und betrie­ben werden, dürfte dieser Schritt teil­weise noch später der Fall sein.

In eine korrekte Beur­tei­lung der Umwelt­bi­lanz müssen außer­dem der Ausstoß von Stick­oxi­den und Fein­staub oder der Verbrauch selte­ner Erden und Metalle mit einflie­ßen. Die bereits erwähnte Studie des Umwelt­bun­des­am­tes aus dem Jahr 2015 fasst alle genann­ten Fakto­ren zusam­men und schluss­fol­gert: „Wenn erneu­er­ba­rer Strom direkt im Fahr­zeug genutzt werden kann, ist dies die effi­zi­en­teste, ökolo­gischste und meist auch ökono­mischste Option“. E-Autos sind emis­si­ons­är­mer, ener­gie­ef­fi­zi­en­ter und leiser. Ledig­lich beim „Verbrauch kriti­scher Metalle“ schnei­det das E-Auto schlech­ter ab als der Benziner.

Fazit: Viele Varia­blen spie­len für eine seriöse Bewer­tung der Umwelt­bi­lanz von Fahr­zeu­gen eine Rolle. Es ist entschei­dend, den Ener­gie­ver­brauch und CO₂- Ausstoß auf allen Produk­ti­ons­stu­fen zu betrach­ten. Aktu­ell tanken E-Autos noch nicht ausschließ­lich rege­ne­ra­ti­ven Strom. Unter den rich­ti­gen Voraus­set­zun­gen (hoher Anteil erneu­er­ba­rer Ener­gien) ist Elek­tro­mo­bi­li­tät jedoch deut­lich umwelt­freund­li­cher als der klas­si­sche Verbren­nungs­mo­tor. Frauke Petrys Darstel­lung ist daher verein­fa­chend, da sie zum Vergleich von Elek­tro­mo­bi­li­tät und Verbren­nungs­mo­to­ren ausschließ­lich auf den CO₂- Ausstoß bei der Herstel­lung abzielt. Insge­samt bewer­ten wir die Aussage, dass E-Autos nicht umwelt­freund­lich sind ange­sichts der vielen Fakto­ren, die hinein­spie­len, mit stimmt eher nicht.
Selina Bölle

Autor: Selina Bölle

Selina macht aktuell ihr Volontariat beim WDR in Köln. Hat Politik- Sozialwissenschaften und Journalistik studiert (M.A).

4 Gedanken zu „Schluss mit der Gänge­lei, Elek­tro­au­tos sind nicht umweltfreundlich.“

  1. Ihre Beschrei­bung ist sach­lich, Ihre Schluss­fol­ge­rung dann aber will­kür­lich. Die vielen Fakto­ren, nach denen Petry Ihrer Meinung nach beur­tei­len müsste, haben Sie selbst bei der Einstu­fung ja auch nicht berück­sich­tigt, sondern nur teil­weise ange­spro­chen (aber nicht ausgerechnet).

    > “Unter den rich­ti­gen Voraus­set­zun­gen (hoher Anteil erneu­er­ba­rer Ener­gien) ist Elek­tro­mo­bi­li­tät jedoch deut­lich umwelt­freund­li­cher als der klas­si­sche Verbrennungsmotor.”
    Diese “rich­ti­gen Voraus­set­zun­gen” gibt es aktu­ell aber nicht. Wenn Sie also prüfen, ob die Aussage stimmt, dann müssen Sie das auf die Gegen­wart und Reali­tät bezie­hen und nicht die theo­re­tisch rich­ti­gen Voraus­set­zun­gen. Aktu­ell macht es für die Umwelt keinen Sinn ein E-Auto zu kaufen. Und wie die Verkaufs­zah­len zeigen, weiß das die Bevöl­ke­rung auch.

    Prüfen Sie zudem noch bitte diese zwei Fakten:
    1) Die “Selte­nen Erden”, die nach wie vor noch unver­zicht­bar für die Elek­tro­mo­to­ren sind, werden nicht nur zum Groß­teil durch Kinder­ar­beit gewon­nen (!) und sind zum Groß­teil im Besitz von China (Schürf­rechte), sondern die aktu­ell bekann­ten Bestände davon würden nicht mal für 10 Mio. Elek­tro­au­tos langen. Was dann?

    2) Zum Vergleich über den Diesel und sons­tige Umwelt­ver­schmut­zung: “Mit den 180 Milli­gramm (Euro 5) und den 80 Milli­gramm (Euro 6) hat die Poli­tik etwas vorge­ge­ben, was tech­no­lo­gisch noch nicht umsetz­bar war. Darauf­hin wurden Grau­zo­nen einge­baut, in denen sich alle bewegt haben — und mancher hat die Grau­zone, die der Gesetz­ge­ber zuste­hen musste, über­stra­pa­ziert. Erst mit der zwei­ten Gene­ra­tion, der Euro 6D, sitzen Parti­kel­fil­ter und Kata­ly­sa­tor jetzt ganz vorne am Motor, wo es wärmer ist. Diese neuen Fahr­zeuge emit­tie­ren nicht 80, sondern typi­scher­weise nur noch 20 bis 60 Milli­gramm pro Kilo­me­ter. Die Diesel­dis­kus­sion ist also eine reine Altlas­ten­dis­kus­sion, über die die unglaub­lich posi­tive Entwick­lung total zerre­det wird.”
    “Beim moder­nen Diesel gibt es kein Fein­staub­pro­blem mehr. Das Thema ist durch. Ein Fahr­rad hat typi­scher­weise einen Felgen­ver­schleiß von 0,1 Milli­me­ter auf 1000 Kilo­me­ter: Beim Brem­sen entwei­chen Metalloxide in die Umge­bung. Das sind auf einen Kilo­me­ter umge­rech­net drei bis vier Milli­gramm. Der Parti­kel­aus­stoß aus dem Auspuff eines Diesels liegt bei 0,2 bis 0,5 Milli­gramm. Auch wenn die öffent­li­che Wahr­neh­mung eine andere ist: Wir haben bei vielen Betriebs­zu­stän­den eine nied­ri­gere Parti­kel­kon­zen­tra­tion im Abgas als in der Umge­bungs­luft einer Stadt.”

    so Prof. Dr. sc. techn. Thomas Koch vom Karls­ru­her Insti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) bei der Helmholtz-Gemeinschaft
    https://www.helmholtz.de/luft_raumfahrtfahrt_und_verkehr/wie-schmutzig-ist-der-diesel-wirklich-8055/

    Das bedeu­tet selbst ein Fahr­rad könnte, je nach Umstän­den, die Umwelt mehr belas­ten als ein Diesel. Was sagt man dazu?

    Außer­dem ist ja der Witz: die CO2-ärmste Strom­form kommt von Kern­kraft­wer­ken. Mit Kern­ener­gie wäre die Bilanz des E-Autos somit noch am Besten. Verrückt, oder? Wenn Sie das E-Auto hinge­gen mit erneu­er­ba­ren Ener­gien betrei­ben und auch noch mit erneu­er­ba­ren Ener­gien herstel­len, dann müssen Sie wiederum einkal­ku­lie­ren, dass für die Herstel­lung von z.B. den Wind­kraft­an­la­gen wiederum seltene Erden benö­tigt wurden. Und auch, dass z.B. China als größ­ter Photo­vol­ta­ik­pro­du­zent diese Anla­gen unter Einsatz von Kohle­strom herstellt. Ebenso brau­chen Sie für einen 100% Einsatz von Erneu­er­ba­ren Spei­cher­tech­no­lo­gien, die wiederum auf seltene Erden und giftige Chemi­ka­lien setzen (Batte­rien, aktu­ell in der benö­tig­ten Kapa­zi­tät aber gar nicht möglich) oder Sie müssen ganze Land­schaf­ten zerstö­ren für Pump­spei­cher­kraft­werke und Seen. Wie macht sich das dann in der Umwelt­bi­lanz? Ohne das gibt es die 100% Ener­neu­er­ba­ren aber nicht und die beschrei­ben Sie ja mit den “rich­ti­gen Voraus­set­zun­gen”, oder?

    Ja, die Aussage von Petry ist verein­fa­chend. Ihre aber auch, wenn Sie diese Fakto­ren nicht alle berücksichtigt.

    Danke für Ihre Mühe zur Prüfung der Fakten.

    1. Hallo Michael Kellgs, vielen Dank für Ihren Kommen­tar. Die ange­spro­che­nen Punkte werden wir noch einmal mit der Auto­rin disku­tie­ren und Ihnen eine Rück­mel­dung geben. Viele Grüße, Hauke von stimmtdas.org

  2. Da ist mit Herr Kellgs wohl zuvorgekommen. 😉

    Ich habe aber auch noch ein paar Anmerkungen:
    Selbst wenn TESLA seine Giga­fac­tory mit rege­ne­ra­ti­ver Ener­gie betreibt, kann man das wohl kaum auf alle Zellen­her­stel­ler runter­bre­chen. Bitte auch die Gewin­nung von Lithium betrach­ten! Das Verfah­ren ist mit hohen Umwelt­be­las­tun­gen verbun­den und führt zu einer massi­ven Zerstö­rung der Salzseen.
    Weiter­hin vermisse ich noch ein durch­dach­tes Recy­cling-Konzept für die Batte­rien. Aus Rohstoff- und Kosten­sicht soll­ten — neben dem Lithium -
    voral­lem Metalle wie Kobalt, Kupfer und Nickel wieder­ver­wer­tet werden.

  3. Genau. Denn beson­ders schwer­wie­gend ist doch der Unter­schied zwischen Verbren­nungs­mo­to­ren und E-Autos im Betrieb, also bei der Verbren­nung von Ölpro­duk­ten, beim nach­hal­ti­gen CO2-Ausstoß und der Belas­tung unse­rer Atem­luft durch Verbren­nungs­mo­to­ren, weshalb ein halb­wegs intel­li­gen­ter Mensch die Aussage von Frau Petry verdäch­tig finden dürfte. Dann noch das aktu­elle Bild von Frau Petry mit ihrem Baby auf dem Arm dane­ben. Fertig ist der Wahnsinn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.