Katrin Göring Eckardt, Grüne

» Nach vier Jahren Schwarz-Rot sind mehr Kinder in Armut.«

Insge­samt nimmt die Kinder­ar­mut zwar leicht zu. Die Zunahme ist jedoch auf die Zuwan­de­rung zurück­zu­füh­ren, nicht unbe­dingt auf eine verfehlte Fami­li­en­po­li­tik der letz­ten vier Jahre. Die Aussage von Katrin Göring Eckardt bewer­ten wir daher im Kontext der Diskus­sion mit stimmt über­wie­gend, ist aber irreführend.

Die Spit­zen­kan­di­da­tin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, behaup­tet in der ZDF-Sendung „Wahl 2017: Die Schluss­runde“, dass die Kinder­ar­mut in Deutsch­land zuge­nom­men habe. Damit reagierte Göring-Eckardt auf Ausfüh­run­gen von Ursula von der Leyen (ab Minute 27), mit denen sie auf die Erfolge der Union in der Fami­li­en­po­li­tik verwies. Göring-Eckardt ließ das nicht gelten: „Sie regier­ten“ und „mehr Kinder sind in Armut nach diesen vier Jahren“

Der Dialog der Schluss­runde im unge­fäh­ren Wortlaut.

Das stimmt einer­seits, die Kinder­ar­mut hat in Deutsch­land tatsäch­lich leicht zuge­nom­men. Laut einer Studie des Wirt­schafts- und Sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Insti­tuts (SWI) hat sich die Zahl 2016 erhöht, um 0,6 Prozent auf 2,7 Millio­nen Kinder und Jugend­li­che. Das entspricht dem gene­rel­len Trend: Zwischen 2009 und 2015 hat sich die Armuts­quote der unter 18-Jähri­gen insge­samt um einen Prozent­punkt erhöht.Hier

gebo­rene Kinder nicht betroffen
Es jedoch verein­fa­chend und schlicht nicht korrekt, die Zunahme allein einer verfehl­ten Fami­li­en­po­li­tik der Bundes­re­gie­rung anzu­las­ten. Die Zahlen des SWI zeigen deut­lich, dass die Zunahme auf die Zuwan­de­rung minder­jäh­ri­ger Jugend­li­cher zurück­zu­füh­ren ist. Zwischen 2009 und 2016 nahm die Zahl der einge­wan­der­ten Kinder unter­halb der Armuts­grenze von 39 Prozent auf 54 Prozent zu. Die Quote der in Deutsch­land gebo­rene Kinder, die in Armut leben, ist hinge­gen leicht fallend. Im Kontext des Dialogs mit Ursula von der Leyen,  stimmt die Aussage daher eher nicht

Fazit
Es leben zwar etwas mehr Kinder in Armut, die Zunahme ist jedoch eine Folge der gestie­ge­nen Zahl von Zuwan­de­rern. Hier gebo­rene Kinder sind nicht betrof­fen, dort nehmen die Zahlen tenden­zi­ell ab. Die Aussage stimmt daher über­wie­gend, ist aber im Kontext irreführend. 


Daten-Grundlagen:
Als arm gelten nach gängi­ger wissen­schaft­li­cher Defi­ni­tion Haus­halte, deren Einkom­men weni­ger als 60 Prozent des bedarfs­ge­wich­te­ten mitt­le­ren Einkom­mens beträgt. Für eine Fami­lie mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag die Armuts­schwelle 2015 bei einem verfüg­ba­ren Netto­ein­kom­men von weni­ger als 1978 Euro im Monat.

 

Hauke Pfau

Autor: Hauke Pfau

Hauke ist einer der Gründer von stimmtdas.org. Er studiert Public Administration an der Universität Potsdam und arbeitet im Bereich Public Affairs in der Erneuerbaren Energien Branche in Berlin. Bei stimmtdas.org ist er für alle organisatorischen Fragen zuständig und ist Vorsitzender des Trägervereins stimmtdas e.V. Hauke schreibt unregelmäßig eigene Checks.

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