Joachim Herrmann, CSU

» Bayern ist bekanntermaßen das sicherste aller Bundesländer. Es hat die niedrigste Kriminalität und die höchste Aufklärungsquote.«

Joachim Herr­mann behaup­tete, Bayern sei das sicherste Bundes­land Deutsch­lands.  Es habe sowohl die nied­rigste Krimi­na­li­tät als auch die höchste Aufklä­rungs­quote. Diese Aussage stimmt teil­weise. Wahr ist, dass in Bayern in den Jahren 2016 und 2014 der Anteil der aufge­klär­ten Straf­ta­ten am höchs­ten war, nicht jedoch 2015 und 2013. Bei der Krimi­na­li­täts­rate ist die Situa­tion eben­falls mehr­deu­tig: Bezo­gen auf alle Straf­ta­ten belegt der Frei­staat in dieser Kate­go­rie den vier­ten Platz, berei­nigt um auslän­der­recht­li­che Delikte, also zum Beispiel Verstöße gegen das Aufent­halts­recht, den ersten.

Am 21. Septem­ber 2017 behaup­tete der baye­ri­sche Innen­mi­nis­ter Joachim Herr­mann in der „Schluss­runde“ von ARD und ZDF, dass Bayern das sicherste Bundes­land sei. Diese Behaup­tung machte Herr­mann daran fest, dass in dem von der CSU regier­ten Bundes­land die Krimi­na­li­tät am nied­rigs­ten und die Aufklä­rungs­quote am höchs­ten im Länder­ver­gleich sei.

Die Krimi­na­li­tät lässt sich als Anzahl der Straf­ta­ten in einem (Bundes-)Land pro 100.000 Einwoh­ner verste­hen. Laut der Poli­zei­li­chen Krimi­nal­sta­tis­tik (PKS) lag diese Rate 2016 (Häufig­keits­zahl) bezo­gen auf alle regis­trier­ten Straf­ta­ten für Bayern bei 6.871. In Baden-Würt­tem­berg betrug dieser Wert jedoch nur 5.599 und auch Hessen und Rhein­land-Pfalz kamen pro 100.000 Einwoh­ner auf weni­ger Straf­ta­ten. Enthal­ten sind in diesen Berech­nun­gen die auslän­der­recht­li­chen Verstöße. Damit sind Verstöße gegen das Asyl- und Aufent­halts­recht gemeint, die in der Folge der Flucht­be­we­gun­gen der Jahre 2015 und 2016 vergleichs­weise hoch waren. Eine zweite, um diese Delikte berei­nigte Statis­tik stützt Joachim Herr­manns Aussage, denn hier ist die baye­ri­sche Krimi­na­li­täts­rate am nied­rigs­ten. Welche der beiden Berech­nun­gen in diesem Fall die ange­mes­sene ist, ist Ausle­gungs­sa­che. Herr­mann hat seine Behaup­tung nicht weiter spezi­fi­ziert, als er von Krimi­na­li­tät sprach. Eine dies­be­züg­li­che Anfrage von stimmtdas.org beim baye­ri­schen Innen­mi­nis­te­rium blieb unbe­ant­wor­tet.

Da Herr­manns Aussage sehr allge­mein gehal­ten ist, ohne einen konkre­ten Zeit­raum zu nennen, liegt eine Über­prü­fung zumin­dest der jünge­ren Vergan­gen­heit nahe. Für das Jahr 2015 ergibt sich ein ähnli­ches Bild: Mit Blick auf alle Straf­ta­ten weist zumin­dest Baden-Würt­tem­berg eine gerin­gere Krimi­na­li­tät als Bayern auf. Die berei­nigte Statis­tik beschei­nigt dem Frei­staat die nied­rigste Anzahl an Straf­ta­ten pro 100.000 Einwoh­ner. 2014 führte Bayern beide Statis­ti­ken an.

Bayerns Aufklä­rungs­quote ist nicht immer die höchste

Bei der Aufklä­rungs­quote ist die Lage etwas klarer: Im Jahr 2016 war Bayern in dieser Kate­go­rie Spit­zen­rei­ter, unab­hän­gig davon, ob die Grund­lage der Berech­nung die auslän­der­recht­li­chen Verstöße beinhal­tet oder nicht. Da Herr­mann auch bezüg­lich der Aufklä­rung keinen genauen Zeit­raum angibt, haben wir wiederum die letz­ten Jahre in Augen­schein genom­men. Es zeigt sich, dass der Frei­staat in den letz­ten vier Jahren bei der Aufklä­rungs­quote zwei Mal hinter Thürin­gen lag. 2013 weist die PKS für Thürin­gen eine Aufklä­rungs­quote von 64,5 Prozent und für Bayern 64,1 Prozent auf. 2015 lag die thürin­gi­sche Quote mit 63,7 Prozent eben­falls ober­halb der baye­ri­schen mit 62,8 Prozent. Zuletzt konnte in Bayern also der im Länder­ver­gleich größte Anteil aller Straf­ta­ten aufge­klärt werden. Um ein unver­än­der­li­ches Gesetz handelt es sich dabei jedoch nicht.

Fazit:

Die Poli­zei­li­che Krimi­na­li­täts­sta­tis­tik zeigt, dass Joachim Herr­manns Behaup­tung, Bayern sei das sicherste Bundes­land, teil­weise stimmt. Rich­tig ist, dass Bayern in der Krimi­na­li­täts­be­las­tung und in der Verbre­chens­auf­klä­rung Spit­zen­plätze im Vergleich der Bundes­län­der einnimmt. Ob die PKS Bayern die höchste Sicher­heit attes­tiert, vari­iert abhän­gig vom Erhe­bungs­zeit­raum sowie von der Berech­nungs­grund­lage der Statis­ti­ken.

 

Jakob Kulick

Autor: Jakob Kulick

Jakob ist studierter Soziologe und angehender Journalist. Er wohnt derzeit in Leipzig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.