Alice Weidel, AfD

» Die britische Wirtschaft ist nach dem Brexit-Referendum kräftig gewachsen.«

Die briti­sche Wirt­schaft sei nach dem Brexit-Refe­ren­dum „kräf­tig gewach­sen“. Das behaup­tete die Chefin der AfD-Bundes­tags­frak­tion Alice Weidel am 22. Februar. Laut den neues­ten Zahlen des Office for Natio­nal Statis­tics ist das Brut­to­in­lands­pro­dukt des Verei­nig­ten König­reichs 2017 tatsäch­lich gewach­sen, und zwar um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese 1,7 Prozent bedeu­ten aller­dings die nied­rigste Wachs­tums­rate seit 2012. Auch im euro­päi­schen Vergleich schnei­det das Wachs­tum der briti­schen Wirt­schaft eher beschei­den ab: die Brut­to­in­lands­pro­dukte Deutsch­lands, Frank­reichs und Spani­ens sind prozen­tual jeweils kräf­ti­ger gestie­gen, genauso wie die Brut­to­in­lands­pro­dukte der EU und der Euro­zone. Obwohl es nicht klar ist, was genau Alice Weidel mit „kräf­ti­gem Wachs­tum“ meint, passt die Zuschrei­bung nicht wirk­lich auf die derzei­tige Wachs­tums­rate der Wirt­schaft des Verei­nig­ten König­reichs. Die Aussage der AfD-Poli­ti­ke­rin bewer­ten wir somit als stimmt eher nicht.

Wie hat sich die briti­sche Wirt­schaft 2017 entwi­ckelt?

Nach dem Brexit-Refe­ren­dum am 23. Juni 2016 haben sich die Befürch­tun­gen vieler Analys­tIn­nen im Hinblick auf die briti­sche Wirt­schaft nicht bestä­tigt. Die Rezes­sion, die viele Wirt­schafts­fach­leute für sehr wahr­schein­lich hiel­ten, ist im ersten Jahr nach der Volks­ab­stim­mung ausge­blie­ben. Das bedeu­tet aber nicht, dass die Wirt­schaft des Landes „kräf­tig gewach­sen“ ist. Laut Zahlen des Office for Natio­nal Statis­tics erhöhte sich das Brut­to­in­lands­pro­dukt 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent – so nied­rig war die Wachs­tums­rate seit 2012 (+1,5 %) nicht mehr (hier ab Kapi­tel 7). Posi­tive Beiträge kamen vor allem aus der Produk­ti­ons­in­dus­trie und Baubran­che, während die Dienst­leis­tungs­bran­che spür­bar rück­läu­fig war.

Wie steht die briti­sche Wirt­schaft im euro­päi­schen Vergleich da?

Um das Wachs­tum der briti­schen Wirt­schaft besser einzu­ord­nen, lohnt es sich, einen Blick auf die ande­ren euro­päi­schen Länder zu werfen. Insge­samt lässt sich euro­pa­weit ein, wenn auch beschei­de­ner, wirt­schaft­li­cher Aufschwung beob­ach­ten. 2017 ist das Brut­to­in­lands­pro­dukt in Deutsch­land um 2,2 Prozent gewach­sen, in Frank­reich um 2 Prozent, in Spanien um gut 3 Prozent und in Italien um 1,5 Prozent. Die BIPs der EU und der Euro­zone sind Schät­zun­gen zufolge insge­samt um 2,4 Prozent gewach­sen. Insge­samt, so die Prognose der Euro­päi­schen Kommis­sion, werden 2018 nur drei EU-Länder eine BIP-Wachs­tums­rate unter zwei Prozent verzeich­nen: Italien, Belgien und eben das Verei­nigte König­reich (hier die Karte).

Fazit: Die befürch­tete Rezes­sion im Verei­nig­ten König­reich hat nicht statt­ge­fun­den, wie Alice Weidel in ihrer Bundes­tags­rede rich­tig formu­lierte. Zahlen des Office for Natio­nal Statis­tics zufolge ist 2017 das briti­sche Brut­to­in­lands­pro­dukt im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent gewach­sen. Diese Wachs­tums­rate stellt aller­dings die nied­rigste seit 2012 dar und liegt deut­lich unter­halb des euro­päi­schen Durch­schnitts. Die Behaup­tung von Alice Weidel, dass die briti­sche Wirt­schaft nach dem Brexit-Refe­ren­dum „sogar kräf­tig gewach­sen“ sei, bewer­ten wir somit als stimmt eher nicht.

Francesca Polistina

Autor: Francesca Polistina

Kommt aus Italien, hat Journalismus und Literaturwissenschaften in Italien, Deutschland und Belgien studiert. Derzeit als freie Journalistin und Medienanalystin in Köln tätig.

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