Das Bull­shit-Lexi­kon

Das „ad homi­nem“ (zum Menschen) ist ein Schein­ar­gu­ment, bei dem die Posi­tion oder These des Gegners durch einen Angriff auf persön­li­che Umstände oder Eigen­schaf­ten seiner Person ange­foch­ten wird.

Beispiel: 

Sarah Wagen­knecht zu Jens Spahns Aussage „Hartz IV bedeu­tet nicht Armut“:
„Wenn gutver­die­nende Poli­ti­ker wie Herr Spahn meinen, das sei keine Armut, soll­ten sie sich viel­leicht mal mit einer Mutter unter­hal­ten, die unter solchen Bedin­gun­gen ihr Kind groß­zie­hen muss.“


Wie beim ad popu­lum ist das Ziel des ad hominems, die Posi­tion und ihren Vertre­ter in der öffent­li­chen Meinung in Miss­kre­dit zu brin­gen.

Die ‚Beweis­rede für das Volk‘ bezeich­net eine rheto­ri­sche Taktik, bei der etwas als wahr behaup­tet wird, weil es der Meinung einer rele­van­ten Mehr­heit von Perso­nen, z. B. der öffent­li­chen Meinung, entspricht.

Beispiel:

Food­watch-News­­le­t­­ter vom 15.12.17: »Chris­tian Schmidt hat wissen­schaft­li­che Studien igno­riert, die vor Schä­den für Umwelt und Gesund­heit durch Glypho­sat warnen […] obwohl 73 Prozent der deut­schen Bevöl­ke­rung ein Verbot von Glypho­sat fordern!«

Die Tatsa­che, dass eine rela­tive oder abso­lute Mehr­heit eine Auffas­sung vertritt, ist kein Nach­weis über den Wahr­heits­ge­halt.

Als Confir­ma­tion Bias (Bestä­ti­gungs­feh­ler) bezeich­net man die Neigung, Infor­ma­tio­nen so auszu­wäh­len, zu ermit­teln und zu inter­pre­tie­ren, dass die eigene Meinung bestä­tigt wird.

Wirkung:
passende Infor­ma­tion bleibt besser in Erin­ne­rung
passende Infor­ma­tion wird höher gewer­tet
vermei­den unpas­sen­der Infor­ma­ti­ons­quel­len

Stra­te­gie gegen den confir­ma­tion bias:
sich bewusst Infor­ma­tio­nen und Fakten ausset­zen, die der eige­nen Meinung wider­spre­chen
Dialog mit Vertre­tern wider­spre­chen­der Meinun­gen suchen
Gedan­ken­ex­pe­ri­ment: Welche Argu­mente wecken Zwei­fel an der eige­nen Meinung, mögli­che „Killer­ar­gu­mente“  über­legen.

post hoc ergo prop­ter hoc, auch „Danach also deswe­gen“, bezeich­net einen Fehl­schluss, bei dem das zeit­lich gemein­same Auftre­ten von Ereig­nis­sen als Kausal­zu­sam­men­hang aufge­fasst (oder in Täuschungs­ab­sicht behaup­tet) wird.  Kurz­form: ‚post hoc‘.

Beispiel:

Momen­tum auf Face­book: “Das Schick­sal der  Labour Party nach der Wieder­ent­de­ckung des Sozia­lis­mus im Vergleich zur deut­schen SPD sagt alles.“


Das zeit­li­che Aufein­an­der­fol­gen von Ereig­nis­sen ist eine notwen­dige, aber keine hinrei­chende Bedin­gung für einen Kausal­zu­sam­men­hang.  Um die kausale Verket­tung zu zeigen, müssen andere zwin­gende Belege ange­führt werden.

Slip­pery Slope-Fallacy ist eine Argu­men­ta­ti­ons­weise bei der vor dem Voll­zug eines bestimm­ten Schritts A gewarnt wird, weil dies der Beginn einer schie­fen Ebene (Slip­pery Slope) sei und weitere nega­tive Konse­quen­zen B, C, D unver­meid­bar sind.

Beispiel:

Birgit Kelle (Jour­na­lis­tin) auf Twit­ter: » Wer #Ehefu­er­alle fordert, bekommt sie dann eben auch. #Poly­ga­mie. #Kinder­ehen . Das ganze Programm. Seit Jahren lass ich mich wegen dieser Prognose als “homo­phob” beschimp­fen. Bitte­schön. Gern gesche­hen. «

Oft ein reines Totschlag­ar­gu­ment, mit dem der Gegner diskre­di­tiert werden soll, da er als Befür­wor­ter von A die Konse­quenz D schein­bar willent­lich in Kauf nimmt. In selte­nen Fällen kann das Slip­pery Slope-Argu­­ment legi­tim sein, wenn eine valide Kausal­kette exis­tiert und D logisch zwin­gend aus A folgt.

Das Stroh­­mann-Argu­­ment ein retho­ri­scher Kniff, bei der die Behaup­tung des Gegners verzerrt, über­trie­ben oder falsch darge­stellt wird, um diese entstellte These zu wider­le­gen.

Beispiel

Chris­tian Meyer (Die Grünen) auf Twit­ter: »Laut BfR können sie Kübel­weise #Glypho­sat trin­ken. Ich würde es nicht tun.«

Laut BfR liegt die Dosis, die lebens­lang täglich ohne Gesund­heits­ri­siko aufge­nom­men werden kann, bei 0,30mg Glypho­sat pro kg Körper­ge­wicht. Nimmt man diese Menge lebens­lang täglich mit der Nahrung auf, ergibt es ca. 8 Gramm, was eher einem Finger­hut als einem Kübel entspricht. Damit hat Herr Meyer einen klas­si­schen Stroh­mann gebaut.

Whata­bou­tism ist eine unsach­li­che Gesprächs­tech­nik, mit der die Ablen­kung von unlieb­sa­mer Kritik durch Hinweise auf andere wirk­li­che oder vermeint­li­che Miss­stände bezeich­net wird.

Beispiel:

Jens Peter Hiller schreibt im Stern: » Der Westen wirft Russ­land bei der Beset­zung der Krim Völker­rechts­ver­let­zung vor. Aber: Wen hat das Völker­recht inter­es­siert, als Nato-Kampf­­flu­g­zeuge den Kosovo und Irak zerbomb­ten?«

Dass Andere vermeint­lich genauso oder noch schlim­mer handeln, legi­ti­miert die kriti­sierte Hand­lung nicht und stellt somit ein Ablen­kungs­ma­nö­ver dar.